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Narzissmus, das Problem unserer Gesellschaft?

Warum es immer einfacher ist die Verantwortung abzugeben.


Hey friends,


In den letzten Monaten ist mir immer häufiger aufgefallen, wie leichtfertig wir mit dem Wort Narzissmus um uns werfen. Begegnet uns eine Person mit scheinbar außergewöhnlichem Interesse für sich selbst, ist er oder sie ein Narzisst. Es scheint mir manchmal fast, das jedes unerwünschte Verhalten angefangen bei Arroganz bis hin zu Grobheit einfach mal als narzisstisch eingeordnet wird.


Narzissten überall?


Doch ist das wirklich der Fall? Sind wir tatsächlich umgeben von Narzissten und haben wir uns eine Kultur von um sich selbst kreisende, größenwahnsinnigen Menschen verwandelt, die nur an Macht, Erfolg, Schönheit und Besonderheit interessiert sind? Haben wir solch ein Anspruchsdenken, das wir tatsächlich glauben, wir seien von vorne herein überlegen, selbst wenn wir nicht wirklich einen Beitrag leisten oder irgendetwas von Wert hervorbringen? Ist es wahr, dass es uns an der erforderlichen Empathie fehlt, um mitfühlende, verbindliche Menschen zu sein?


Wenn du ähnlich tickst wie ich, hast du jetzt vermutlich erst mal gedacht "Ja genau, das ist unser Problem. Nicht bei mir, aber im Großen und Ganzen ...das klingt schon irgendwie wahr".


Wären die anderen bloß anders...


Mal ganz ehrlich, streben wir nicht alle immer nach einer Erklärung für alles, am besten natürlich nach einer, die uns selbst gut weg kommen lässt und die Schuld "den anderen" zuweist? Narzissmus macht es uns da besonders einfach. Denn wenn jemand als Narzisst identifiziert wurde scheint auf jeden Fall klar, dass wir fein raus sind. Wir sind die Opfer, die Opfer der Narzissten, die gegen unseren Willen und nur im Interesse des eigenen Wohles gehandelt haben.


Aber machen wir es uns damit nicht etwas einfach?


An dieser stelle ein kurzes Beispiel:


Ich hatte kürzlich ein Coaching Gespräch in dem mir ein Coachee berichtete, dass sie und ihr Freund sich getrennt hatten und sie jetzt aber wüsste, was der Grund ihrer vielen Probleme war - er sei Narzisst. Auf diese Idee hatte sie ihre Schwester gebracht die kürzlich ein Buch darüber gelesen hatte. Ich hörte mir ihre Gründe für diese Sichtweise an und wusste sehr bald, dass ihr Ex Freund kein Narzisst war ( was im übrigen eine Persönlichkeitsstörung ist, welche von ausgebildeten Therapeuten diagnostiziert wird).


Es war lediglich für ihren Verstand die gemütlichere Erklärung für alles. Das würde nämlich bedeuten, dass sie die Verantwortung für all ihre Auseinandersetzungen und Probleme an ihrem Ex-Freund abgeben kann. Ich kann verstehen, dass das im ersten Moment einladender klingt, als sich damit zu befassen, was man selbst zu dieser Situation beigetragen hat, nur hilft es uns leider nicht dabei an dieser Erfahrung zu wachsen. In einer Beziehung sind immer beide zu 100 % für ihre gemeinsamen Ergebnisse verantwortlich. Und wenn wir das Gefühl haben, unser/e PartnerIn ist immer Schuld, dann dürfen wir uns gerne einmal fragen wozu wir! diese Situation in unserem Leben haben? Was machen wir, dass ihn /sie so handeln lässt? Wir sind deshalb nicht schuld! Aber unser PartnerIn ist es auch nicht - wir gemeinsam erschaffen unsere Realität.


Aber gut, das ist noch mal ein anderes Thema. Was ich damit sagen wollte, wir werfen mit dem Begriff Narzissmus gerne um uns, um uns selbst aus der Verantwortung zu nehmen.


Was wenn wir nicht plötzlich in einer Welt leben, die von Narzissten überschwämmt wird, sondern wir gerne nach einfachen Antworten suchen?


Hand aufs Herz, wie sprichst du über vermeintliche Narzissten? Mit etwas Verachtung, Ärger, Verurteilung? Wir versuchen diese Menschen mit Ausgrenzung zu strafen, in dem wir versuchen ihnen bewusst zu machen, dass sie gar nicht so besonders sind, wie sie denken. Bedeutet wir "strafen" sie mit Scham.


Doch was wenn Scham nicht die Therapie, sondern die Ursache solcher Verhaltensmuster ist?


Der Strudel des "nicht genug seins"


Wir alle Leben in einer Kultur in der es scheint ein durchschnittliches Leben zu führen sei bedeutungslos. Tagtäglich werden wir vollgespamt von den perfekten Leben andere Menschen. Jeden Monat in einem neuen Land an den schönsten Orten, mit den inspirierensten Menschen, dem abgefahrensten Essen und dem absoluten Traumjob...


"Ich bin so gut wie die Anzahl von "likes", die ich auf Facebook oder Instagram erhalte..."


Was dieses konstante Bewerten und Vergleichen so selbstzerstörerisch macht, ist, dass wir unser Leben, unsere Beziehungen, Familie und Freundschaften oft an unerreichbaren, von Medien transportierten Perfektionsvorstellungen messen.


Brene Brown, eine der bekanntesten Forscherinnen im Bereich Verletzlichkeit und Scham beschreibt den Narzissmus, den wir in unserem Alltag oft als solchen betiteln als eine auf Scham basierende Furcht vor Durchschnittlichkeit. Die Angst davor sich verletzlich zu zeigen, die Angst jemand könnte erkennen, dass man selbst....


*

nicht gut genug

*

nicht perfekt genug

*

nicht dünn genug

*

nicht erfolgreich genug

*

nicht klug genug

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nicht schön genug

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nicht außergewöhnlich genug ist.



Es ist also wie ein Schutzmechanismus, den die Person sich aufgebaut hat, um Verletzung zu vermeiden. Also lieber sich drüber stellen, als verletzlich zu zeigen, denn so "passiert mir nichts".


Was ist nun die Lösung?


Ich habe leider keine universelle Lösung aber was, wenn wir uns wieder mehr erlauben den Menschen hinter all dem zu sehen und nicht leichtfertig mit dem "Label" Narzissmus um uns werfen? Sind wir denn nicht alle Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen die uns geprägt haben - persönliche, gesellschaftliche, generationsbedingte?


Haben wir es nicht alle verdient Liebe zu erfahren anstatt Ausgrenzung? Was wenn wir mehr das Bedürfnis hinter einer Handlung versuchen zu verstehen als gleich zu urteilen?


Ich möchte mit dem heutigen Artikel dazu einladen wieder vorsichtiger mit Labels zu werden und wieder mehr den Menschen hinter all dem zu sehen. Die Verantwortung abgeben ist immer leicht, aber vor der eigenen Tür zu kehren ist wahre Größe!


Wie Lisa immer so schön sagt - wir sind alle eins, zu jeder Zeit! Also lasst uns wieder mehr ein Miteinander als Gegeneinander kreieren.


Lot´s of love,


Kora

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